81 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Julius Grieneisen Haus in Berlin zu einem Ort des Erinnerns, Nachdenkens und Austauschs. Die Lesung „Du sollst nicht in den Trümmern spielen…“ mit der Autorin und Psychoanalytikerin Irmgard Lauff zog zahlreiche Besucherinnen und Besucher an und hinterließ einen nachhaltigen Eindruck.
Im Mittelpunkt des Abends standen Lauffs eindringliche Prosa- und Lyriktexte, die sich sensibel mit dem Spannungsfeld von Erinnerung und Schweigen auseinandersetzen. Immer wieder griff sie jene leisen Zwischentöne auf, die zwischen dem Erzählten und dem Ungesagten liegen und die bis heute nachwirken. Ihre Texte machten deutlich, wie stark die Vergangenheit auch Generationen später noch präsent ist.
Die Lesung entwickelte sich dabei zu einer vielschichtigen Reise durch Zeit und Ereignisse. Einzelne Texte beleuchteten historische Momente ebenso wie persönliche Perspektiven, etwa rund um die letzten Kriegstage im April 1945 oder den Umgang mit Erinnerung in der Nachkriegszeit. Dabei verband sich Historisches mit Gegenwärtigem zu einem dichten literarischen Geflecht.
Einen besonderen Akzent setzte die musikalische Begleitung durch die Cellistin Yeo-Rhim Yoon. Mit Werken unter anderem von Johann Sebastian Bach und Pablo Casals schuf sie emotionale Resonanzräume, die die Texte vertieften und dem Abend eine zusätzliche Dimension verliehen. Die Wechsel zwischen Wort und Musik wirkten dabei ruhig, konzentriert und zugleich eindrucksvoll.
Der Titel „Du sollst nicht in den Trümmern spielen…“ erwies sich dabei als programmatisch. Er spiegelte die zentrale Frage des Abends wider: Wie gehen wir mit den Spuren der Vergangenheit um und wie prägen sie unser heutiges Denken und Fühlen?
Im Anschluss nutzten viele Gäste die Gelegenheit, bei einem kleinen Empfang miteinander und mit der Autorin ins Gespräch zu kommen. Die offene Atmosphäre zeigte, wie sehr die Themen des Abends berührten und zum Austausch anregten. Auch die Möglichkeit, Bücher signieren zu lassen, wurde gerne wahrgenommen.
Die Veranstaltung, organisiert vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gemeinsam mit Grieneisen Bestattungen, machte einmal mehr deutlich, wie wichtig Räume für Erinnerungskultur sind. Sie zeigte, dass Literatur und Musik Wege eröffnen können, sich der Vergangenheit zu nähern und sie zugleich in die Gegenwart zu holen.
So blieb am Ende nicht nur die Erinnerung an eine gelungene Lesung, sondern auch das Gefühl, dass das Gespräch über Geschichte, Erinnerung und Gedenken weitergeführt werden muss.
Stephan Hadraschek
©Abbildungen: Ahorn Gruppe
